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Tom Saller: Wenn Martha tanzt

Berlin: List Verlag, 2018

 

Martha tanztDas Jahr 2019 wurde von der Kunst- und Kulturwelt zum Bauhaus-Jahr erhoben. Vor 100 Jahren gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus als avantgardistische Kunstschule.

Bedeutende Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Lyonel Feininger arbeiteten hier als Lehrer.

Dies inspirierte den Kölner Psychotherapeuten und Jazzmusiker Tom Saller zu seinem Debütroman „Wenn Martha tanzt“.

Der Roman bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Die Rahmenhandlung spielt Anfang der 2000er Jahre in New York und Köln, während sich die eigentliche Geschichte in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zuträgt.

Tom Saller erzählt uns das Leben von Martha, die um 1900 in Pommern geboren wird, ans Weimarer Bauhaus geht und nach dem Zweiten Weltkrieg in New York eine außergewöhnliche Karriere als Tänzerin macht. Auch wenn die Person der Martha erfunden ist, so hat sich der Autor doch von der Lebensgeschichte seiner eigenen Urgroßmutter inspirieren lassen. Der Roman verknüpft die fiktive Geschichte von Martha mit realen Begebenheiten und Personen der Zeitgeschichte.

Martha Wetzlaff ist die Tochter eines Musikers und hat ungewöhnliche Talente. So nimmt sie Töne als unterschiedliche Formen, als geometrische Figuren wie Kreise, Dreiecke und Vierecke wahr. Ihr Vater fördert die ungewöhnliche Begabung seiner Tochter und schickt sie zu Walter Gropius als eine der ersten Studentinnen ans Bauhaus nach Weimar. Hier entdeckt Martha den Tanz für sich und beeindruckt die Bauhaus-Mitglieder. Als die Nazis die Kunstschule schließen kehrt sie in ihre Heimat nach Pommern zurück. In ihrem Koffer hat die junge Frau ein besonderes Tagebuch – und sie bringt ein uneheliches Kind, ein kleines Mädchen, namens Hedwig, mit.

Im Jahr 1945, zu Kriegsende verliert sich jedoch beider Spur, zeitgleich mit dem Untergang des Flüchtlingsschiffes „Wilhelm Gustloff“.

Hier setzt jetzt der zweite Erzählstrang ein: die Geschichte von Marthas Urenkel. Der junge Kölner Student Thomas Wetzlaff findet nach dem Tod seiner Großmutter Hedwig in deren Nachlass ein Notizbuch, das seine Urgroßmutter Martha geführt hat. Der Text des Tagebuches bricht mitten im Satz ab. Thomas‘ Bestreben ist es nun, das Leben seiner Urgroßmutter zu rekonstruieren. Neben Briefen birgt das Heft einen ungeahnten Schatz: Skizzen und Zeichnungen berühmter Bauhauskünstler wie Klee, Kandinsky, Feininger. Das macht das Tagebuch zu einem Millionenobjekt. Der junge Kölner reist nach New York zu Sotheby’s, um es versteigern zu lassen. Schließlich erwirbt eine anonyme Frau per Telefon das Ganze für 45 Millionen Dollar. Nach der Versteigerung erhält Thomas eine Einladung der 100jährigen steinreichen Käuferin in ihre New Yorker Suite und es beginnt ein ausführliches Gespräch über Marthas Leben.

Tom Saller zieht mit seinem Buch die Leser von Anfang an in seinen Bann. Er entführt uns auf unterhaltsame Art und Weise in eine der bedeutendsten Stilepochen des 20. Jahrhunderts, die bis heute prägend ist.

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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