• 974x200_5.jpg
  • Hintergrund-1.jpg
  • Hintergrund-3.jpg
  • Hintergrund-4.jpg
  • Unbenannt-1.jpg
  • Unbenannt-2.jpg

Lara Prescott: Alles, was wir sind

Berlin: Rütten & Loening Verlag, 2019

 

Alles was wir sindDie US-amerikanische Autorin Lara Prescott bekam 2014 einen Link zu einem Artikel der Washington Post, in dem es darum ging, wie die CIA „Doktor Schiwago“ als Propagandamittel einsetzte, indem das Buch hinter den Eisernen Vorhang geschmuggelt wurde. Diese Geschichte hat sie unglaublich fasziniert, sodass sie anfing, alles darüber zu lesen, was sie auftreiben konnte und die Geschichte zu einem Roman verarbeitete.

In den fünfziger Jahren arbeitete Boris Pasternak an seinem ersten Roman: „Doktor Schiwago“. Pasternak galt in der Sowjetunion als politisch kompromittiert. Er hatte die Säuberungen unter Stalin überlebt und setzte keine Hoffnungen mehr in das sowjetische Regime. Berechtigterweise fürchtete sich die Sowjetregierung vor seinem Roman, indem die Auswirkungen der Oktoberrevolution und die politischen Verhältnisse kritisiert wurden. Das Regime versuchte Pasternak daran zu hindern, den Roman zu vollenden. Um den Autor unter Druck zu setzen, wurde seine Geliebte, Olga Iwinskaja, unter grausamen Bedingungen für drei Jahre in einem Gulag inhaftiert. Doch sowohl Olga, als auch Pasternak ließen sich nicht beugen und der Schriftsteller beendete den Roman unter widrigen Umständen und in schlechtem Gesundheitszustand. Er versuchte, ihn in der Sowjetunion zu publizieren, doch das war ein aussichtsloses Unterfangen.

In den USA erkannte die CIA das Potential des Romans und versuchte, ihn als Waffe im Kalten Krieg zu instrumentalisieren. Unter spannenden Umständen wurde der Roman in den Niederlanden gedruckt und 1957 in Italien erstveröffentlicht. Es durfte kein amerikanisches Papier und keine amerikanische Druckerschwärze verwendet werden, um die Aktion nicht mit der CIA in Verbindung zu bringen. Die CIA ließ in New York 365 Exemplare auf Russisch setzen.

Die Stenotypistin Irina Drosdowa, deren Mutter aus der Sowjetunion floh und deren Vater in einem Gulag starb, wurde als Spionin ausgebildet. Mit ihrer Hilfe wurden die russischsprachigen Exemplare 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel an sowjetische Besucher verteilt. Man hoffte, dass diejenigen, die das Buch lasen, sich fragen würden, warum man es verboten hatte. Die Saat des Widerspruches sollte mit einem geschmuggelten Buch gesät werden. Unter den Empfängern waren eine Ballerina des Bolschoi-Theaters, ein Akkordeonspieler vom Chor der Roten Armee, ein Clown vom Moskauer Staatszirkus, ein Übersetzer. Innerhalb von zwei Tagen waren alle Exemplare verteilt. „Alles, was wir sind“ gibt eindrucksvoll den Zeitgeist des Kalten Krieges wider. Die Publikationsgeschichte von „Doktor Schiwago“ wird aus den Perspektiven verschiedener Personen erzählt. Die beteiligten Agentinnen und Agenten in den USA geraten zum Teil immer tiefer in das Netz der Geheimnisse und Intrigen der CIA hinein. Boris Pasternak kommt zu Wort, der 1958 endlich stolz sein Buch in der Hand halten konnte. Doch mit der Verleihung des Nobelpreises übermannte ihn die Furcht. Die Moskauer Parteifunktionäre sahen in der Entscheidung der Schwedischen Akademie antisowjetische Propaganda. Nachdem sein Nachbar verhaftet wurde, beschloss Pasternak voller Verzweiflung, den Nobelpreis nicht anzunehmen, um seine Familie zu schützen und zu verhindern, dass seine Geliebt Olga erneut inhaftiert wird. Oft wird aus Olgas Sicht geschrieben, die für den Text immer wieder ihre Freiheit aufs Spiel setzte. Sie war Pasternaks Inspiration für die Romanfigur Lara. Nach Pasternaks Tod 1960 wird sie als Bestrafung für ihre Beziehung zu Pasternak weitere 4 Jahre inhaftiert, auch ihre Tochter wird in „Sippenhaft“ genommen. Damit teilt Olga Iwinskaja fast das Schicksal der Roman-Lara. Aber während diese im Roman symbolisch für das Schicksal Tausender in der Sowjetunion spurlos Verschwundener steht, die ihre Wohnung verließen und nie mehr zurückkehrten, konnte Olga von sich behaupten: „ Ich bin keine namenlose Nummer. Ich werde nicht verschwinden.“ 1978 wurde in Paris ihre Autobiographie veröffentlicht. 1988 wurde sie unter Gorbatschow vollständig rehabilitiert. Im gleichen Jahr konnte auch „Doktor Schiwago“ erstmals offiziell in der Sowjetunion erscheinen. Olga Iwinskaja starb 1995 in Moskau.

Lara Prescott erzählt in einem Spionagethriller mit historisch verbürgten Details von der politischen Instrumentalisierung eines Buches durch die CIA.

Für weiterführende Fakten wird das Buch „Die Affäre Schiwago“ von Peter Finn und Petra Couvée (ebenfalls im Bestand der Stadtbücherei Suhl) empfohlen.

 

 

 

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Februar 2020: Lara Prescott: Alles, was wir sind
  • Januar 2020: Vera Buck: Das Buch der Vergessenen Artisten

 

  • Dezember 2019: Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben
  • November 2019: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
  • Oktober 2019: Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse
  • September 2019: Kit de Waal: Die Zeit und was sie heilt
  • August 2019: Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter
  • Juli 2019: Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
  • Juni 2019: Andrea van Bebber: Perlen vor die Säue
  • Mai 2019: Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie
  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

Kinderliteratur

Sebastian Lybeck: Latte Igel und der Wasserstein

Stuttgart: Thienemann Verlag, 2008

Latte Igel

Der kleine Latte Igel liebt sein Zuhause, den Wald. Doch in der letzten Zeit hatte sich dort alles sehr verändert. Noch niemals hatte der Wald so ausgesehen: der Boden war ausgetrocknet, die Bäume färbten sich bedenklich braun und die Nadeln begannen abzufallen. Im ganzen Wald gab es kein Wasser mehr und das machte Latte Igel sehr traurig. „Können wir denn da gar nichts machen? Gibt es keine Hilfe?“ „Doch“, antwortet ihm sein Freund, der schlaue Rabe Korp. Und damit beginnt für Latte und seine Freunde das größte Abenteuer ihres Lebens. Auf ihrer langen Reise müssen sie gefährliche Prüfungen bestehen, bei denen ihr ganzer Mut gefragt ist.

Aktuell auch fürs Kino verfilmt, begeistert diese Heldengeschichte mit sympathischen Figuren und warmherzigen Illustrationen. 10 Jahre nach Erstveröffentlichung, ist das Thema dieses Kinderbuches aktueller denn je und vermittelt Kindern die Wichtigkeit von Natur- und Umweltschutz.

 

Regionalkunde

Petra Riemann: Die Stasi, der König und der Zimmermann: Eine Geschichte von Verrat

Berlin: Metropolverlag, 2019

Die Stasi

Im Jahr 2013, mitten im damaligen Bundeswahlkampf, ging die Meldung durch die Presse, dass der DDR-Schauspieler Lutz Riemann als IM für die Stasi gearbeitet haben soll.

Unter dem Decknamen „Richard König“ habe er den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bespitzelt. Außerdem soll er seine Künstlerkollegen am Meininger Theater ausspioniert haben.

Lutz Riemann, bekannt als „Oberleutnant Zimmermann“ aus dem „Polizeiruf 110“ gibt seine Stasitätigkeit daraufhin sofort zu. Seine Tochter Petra Riemann, Autorin des vorliegenden Buches, ist schockiert, hat sie  ihren Vater doch als sehr liberalen und kritischen Menschen erlebt.

Wie passt das alles zusammen? Wer verbirgt sich hinter „Richard König“? Diese Fragen muss und will seine Tochter aufklären.

 

 

 

 

.

Joomla templates by a4joomla

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.