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Andrea Camilleri: Die Inschrift

Reinbek bei Hamburg: Kindler Verlag, 2018

 

CamilleriAndrea Camilleri ist hauptsächlich als Krimiautor bekannt. Schon seine Montalbano-Krimis sind mit Witz erzählt, doch in der Erzählung „Die Inschrift“, die 2015 in Italien und 2018 auf Deutsch erschienen ist, blitzt der große Schalk des 93 jährigen Italieners auf.

Auf nur rund 50 Seiten erzählt er in ironischer Weise über die Kleinbürgerwelt der Faschisten in dem kleinen italienischen Ort Vigata und die dortigen wechselvollen Ereignisse, die immer groteskere Züge annehmen.

Am 11. Juni 1940, einen Tag, nachdem Italien an der Seite seines Verbündeten Deutschland in den Krieg eingetreten ist, erscheint Michele Ragusano im Haus des Vereins „Faschismus und Familie“. Die dort anwesenden Mitglieder meiden ihn, denn Ragusano war wegen „fortgesetzter Diffamierung des ruhmreichen faschistischen Regimes“ für fünf Jahre in Verbannung.

In der Zwischenzeit wurde er vom Verein wegen Unwürdigkeit ausgeschlossen. Als der Vereinsvorsitzende ihn darüber aufklärt, will er gehen. Doch er gerät  in eine verbale Auseinandersetzung mit Don Manueli Persico, einem 97jährigen glühenden Faschisten der ersten Stunde und Wegbegleiter Mussolinis. Eine Äußerung Ragusanos führt dazu, dass Persico einen tödlichen Schlaganfall erleidet.

Ragusano wird zu „5 Jahren Haft verurteilt, die er nicht überleben wird.

Persico wird umgehend als Märtyrer des Faschismus gefeiert und pompös zu Grabe getragen. Seiner bildschönen jungen Witwe soll eine Vorzugspension für „Gefallene im faschistischen Kampf“ gewährt und eine Straße nach ihm benannt werden.

Doch die Suche nach einer passenden Inschrift für das Straßenschild führt zu Komplikationen und durchzieht als roter Faden die Geschichte.

Anfangs ist die Angelegenheit eindeutig, doch ein verschmähter Liebhaber der Witwe Persicos sinnt auf Rache und erinnert sich an eine Äußerung Ragusanos. Damit bring er einen Stein ins Rollen, denn er deckt ein dunkles, mörderisches Geheimnis aus Persicos Vergangenheit auf, das seine faschistische Identität in Frage stellt. Ein Historiker wird mit dem Fall beauftragt und macht eine weitere überraschende Entdeckung. Nach und nach kommen immer mehr pikante Details aus Persicos Vergangenheit ans Licht.

Mit Persico beschreibt Camilleri einen Menschen, der sich geschickt und skrupellos den politischen Machtverhältnissen anpasst  und seine Biographie nach Belieben manipuliert. Er inszeniert sich als Held, um Ansehen und Wohlstand zu erschleichen und sich der Verantwortung für begangene Verbrechen zu entziehen.

Camilleri beschreibt unterhaltsam die Debatten des Gemeinderates, die in eine Provinzposse ausarten und die ganze Gemeinde in Verwirrung stürzen. Die Faschisten aus Vigata durchleben ein Wechselbad aus Ehrfurcht und Abscheu.

In ihrem Bestreben nach Aufrechterhaltung der Fassade geben sich die Mitglieder des Gemeinderates der Lächerlichkeit preis.  Dreimal wird der Name der Straße geändert, doch am Schluss behält sie einfach ihren ursprünglichen Namen.

Camilleri zeichnet gekonnt nach, wie totalitäre Systeme ihre Machterhaltung auf den Aufbau zweifelhafter Heldenvorbilder stützen und dabei menschliche Schwächen und Eitelkeiten ausnutzen.

Mit dieser bitterbösen Satire warnt Camilleri nicht nur vor dem Faschismus, sondern auch vor Dummheit und plädiert für die Bewahrung des gesunden Menschenverstandes.

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

Kinderliteratur

Max von Thun: Der Sternenmann

München: ars Edition Verlag, 2018

sternenmannHabt ihr schon einmal von dem Sternenmann gehört? Dieser kleine Kerl lebt auf einem weit entfernten Planeten und er hat eine ganz besondere Aufgabe: Tagsüber schläft er, aber sobald es dunkel wird, verteilt er die Sterne am Nachthimmel und bringt sie zum Leuchten. Eines Nachts jedoch fehlt plötzlich der kleinste Stern und sofort macht sich der Sternenmann auf den Weg, ihn zu suchen. Auf seiner abenteuerlichen Reise begegnet er dem Sandmann, dem Mondmann, einer Astronautin und der Sonne. Doch wen er auch fragt und wo er auch sucht, nirgends konnte er den kleinen Stern finden. Doch manchmal ist das was man sucht, näher als man glaubt...

Das erste Bilderbuch des Schauspielers Max von Thun ist eine traumhaft schöne Reise durch die Nacht mit bezaubernden Illustrationen von Marta Balmaseda.

 

Sylvia Bishop: Das Mädchen, das im Buchladen gefunden wurde

Frankfurt am Main: KJB Verlag, 2018

KibiEiner der schönsten Buchtitel der letzten Monate – und der Titel hält, was er verspricht!

Ein warmherziges Abenteuer in der magischen Welt der Bücher

Property ist ein ganz besonderes Mädchen: Sie lebt in einem Buchladen. Als Kind wurde sie dort bei den Fundsachen entdeckt, und so wächst sie mitten unter Büchern bei Ladenbesitzerin Netty und deren Sohn Michael auf.

Eines Tages gewinnt die Familie den tollsten Buchladen der Welt, Montgomerys Bücherparadies. Doch der Laden birgt ein Geheimnis, und nur Property kann der Sache auf die Spur kommen – denn niemand kennt sich so gut mit Büchern aus wie sie. Mit dem grummeligen Kater Gunther auf der Schulter (und manchmal auf dem Kopf) stürzt sie sich in ein turbulentes Abenteuer …

Phantasievoll, liebenswert, lustig, spannend – ein Buchabenteuer für alle, die am liebsten im Lesesessel versinken oder heimlich unter der Bettdecke schmökern. [Verlagstext]

 

Regionalkunde

Dieter Engel: Der Autobahnbau um Suhl

Suhl 2018

Der letzte Band der beliebten „Kleinen Suhler Reihe“ beschäftigt sich mit dem Jahrhundertprojekt Thüringer Waldautobahn in der Region um Suhl.

Dieses enorme Bauvorhaben war eines der aufwendigsten und kompliziertesten Verkehrsprojekte der Bundesrepublik. Mit superlangen Tunnelbauten und spektakulären Brückenkonstruktionen ist die Thüringer Waldautobahn aber auch eine der schönsten und interessantesten in ganz Deutschland.

Der Autor Dieter Engel, Oberingenieur und Verkehrsexperte, war lange Bauleiter für die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit in Südthüringen.

Zehn Jahre nach der Inbetriebnahme des letzten Teilstückes der A 73 legt er erstmals eine umfassende Dokumentation von der Planung bis zur Umsetzung dieses wichtigsten Verkehrsprojektes rund um Suhl vor.

 

Freestyle - Buch

Victoria Schwab: Monsters of Verity - Dieses wilde. wilde Lied

Bindlach: Loewe Verlag, 2018

Monsters ofIn Verity City bevölkern nachts Monster die Straßen der Stadt. Sie entstehen aus von Menschen begangenen Verbrechen und desto grausamer ein Verbrechen, desto stärker das Monster, das aus ihm geboren wird. In dieser Stadt leben Kate Harker, deren Vater über die eine Hälfte herrscht und sich die Monster als Haustiere hält, und August Flynn, eines der stärksten jemals entstandenen Monster das von einem Menschen adoptiert wurde. Gemeinsam geraten die beiden in eine Verschwörung, die zur Vernichtung der Menschheit führen könnte.

“Viele Menschen sind wie Monster, und viele Monster wissen, was sie tun müssen, um für Menschen gehalten zu werden.” – Mit diesem Zitat stimmt die Autorin den Leser auf das Thema ihres Buches ein: Was macht einen Menschen zu einem Menschen? Gehört Gewalt zu unserem Wesen dazu oder sind wir letztlich nichts anderes als Monster?

 

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