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Louise O'Neill: Du wolltest es doch

Hamburg: Carlsen Verlag, 2018

 

du wolltest es dochEmma ist 18 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern in der kleinen irischen Küstenstadt Ballinatoom. Sie geht auf eine katholische Mädchenschule, ist hübsch, beliebt und eine gute Schülerin. Das alles ändert sich schlagartig, als sie auf einer Party ein paar Pillen einwirft. Am nächsten Tag finden ihre Eltern sie bewusstlos auf der Veranda. Emma kann sich an nichts erinnern. Erst als Bilder in den sozialen Netzwerken auftauchen, erfährt sie, was in dieser Nacht mit ihr passiert ist.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt: dem Davor, der unmittelbaren Zeit danach, die nur ungefähr zwei Tage umfasst, und der Zeit, ein Jahr nach der verhängnisvollen Nacht.

Im Davor lernt der Leser Emma und die Welt, in der sie lebt, kennen. Emma ist eine unsympathische Figur. Sie ist missgünstig, neidisch auf ihre Freunde und bestiehlt diese sogar. Sie ist oberflächlich und nur auf ihr Ansehen, ihre Beliebtheit und ihre Wirkung auf Jungs bedacht. Während für die Jugendlichen im Ort Markenkleidung, die nächste Party und der nächste Kick zählen, leben die Erwachsenen nach anderen Werten. Sie gehen zur Kirche, die Männer arbeiten und die Frauen sind überwiegend Hausfrauen, die sich um ihr Aussehen und das Essen kümmern und trotzdem nicht verhindern können, dass sich ihre Ehen abkühlen und nur noch auf dem Papier existieren.

Im zweiten Abschnitt schildert Louise O’Neill deutlich, wie diese zwei Welten aufeinander prallen. Die Fotos in den sozialen Netzwerken zeigen widerwärtige Dinge – trotzdem glauben Emmas Freunde und alle, die diese Fotos gesehen haben, dass Emma diese freiwillig gemacht hat. Selbst wenn jemand auch nur den Ansatz von Zweifeln äußert, werden diese mit der Begründung, Emma war ja schon immer leicht zu haben, im Keim erstickt. Emma selbst, getrieben von dem Druck dazuzugehören, schwankt zwischen abgrundtiefer Scham und dem Wunsch, alles so schnell wie möglich unter den Teppich zu kehren. An das Wort „Vergewaltigung“ traut sie sich gar nicht zu denken, denn niemand mag Mädchen, die so etwas behaupten. Doch als eine Lehrerin die Bilder entdeckt, wird der Fall der Polizei übergeben und das, wovor sich Emma am meisten fürchtet, tritt ein: ihre Eltern und der Rest der Welt erfahren von dem, was mit ihr passiert ist.

Ein Jahr nach der Tat ist nichts mehr, wie es einmal war. Auf bedrückende Weise schildert die Autorin den seelischen Zerfall Emmas und den ihrer Familie. Das anstehende Gerichtsverfahren ist ein aussichtsloser Kampf um Gerechtigkeit. Die Bilder werden als Beweismittel voraussichtlich nicht zugelassen und Emma, die Drogen genommen und getrunken hatte, die ein viel zu kurzes Kleid trug und kurz zuvor freiwillig Geschlechtsverkehr hatte, hat keine großen Chancen vor Gericht zu bestehen. Die Familie wird im Ort gemieden, weil das weltweite Medieninteresse an dem Fall Schuld am Ausbleiben von Touristen hat und außerdem hat die sexuell freizügige Tochter mit ihrer Behauptung doch das Leben von vier guten Jungen zerstört.

„Du wolltest es doch“ ist ein Buch, das man beim Lesen öfter mal zur Seite legen muss, denn das Geschehene und das Verhalten gegenüber dem Opfer machen sprachlos. Louise O’Neill bearbeitet hier Themen, die derzeit brandaktuell sind: den Umgang unserer Gesellschaft mit Opfern sexueller Gewalt und den negativen Einfluss von sozialen Medien wie Facebook.

Louise O’Neill wurde 1985 in Clonakilty, Irland geboren. „Du wolltest es doch“ ist ihr zweiter Roman. Er erreichte in Irland Platz eins der Bestsellerliste und wurde mehrfach ausgezeichnet.

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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