• 974x200_5.jpg
  • Hintergrund-1.jpg
  • Hintergrund-3.jpg
  • Hintergrund-4.jpg
  • Unbenannt-1.jpg
  • Unbenannt-2.jpg

Sascha Filipenko: Rote Kreuze

Zürich: Diogenes Verlag, 2020

 Rote Kreuze

Minsk im Jahr 2001.

Der dreißigjährige Alexander hat gerade einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Seine Freundin ist bei der Geburt der gemeinsamen Tochter ums Leben gekommen. Nun steht der junge Mann allein mit der Kleinen da. Um etwas Abstand zu gewinnen, zieht er um. An der Tür seiner neuen Mietswohnung findet er ein eingeritztes rotes Kreuz. Alexander ärgert sich über die Sachbeschädigung. Auf dem Hausflur spricht ihn seine neue Nachbarin, die neunzigjährige Tatjana Alexejewna, an und erklärt ihm, dass sie an Demenz leide und sie diejenige ist, die die Türen mit roten Kreuzen kennzeichne. Die Markierungen helfen ihr, den Weg in ihre eigene Wohnung zu finden. Der junge Mann wehrt sich zunächst gegen die Aufdringlichkeit der alten Dame, will er doch erstmal für sich sein. Doch schließlich nimmt er ihre Einladung zum Tee an. Dabei erzählt sie ihm ihre Lebensgeschichte, die ihn von seinem eigenen Leid etwas ablenkt.

Tatjana nimmt den jungen Alexander mit bis ins Kriegsjahr 1941. Sie erzählt, dass ihr Mann an der Front dient und sie selbst arbeitet in dieser Zeit als Fremdsprachenkorrespondentin beim sowjetischen Außenministerium in Moskau. Ihre Aufgabe ist es, Briefe und Dokumente aus dem Ausland zu übersetzen. In der Post sind auch Unterlagen aus Genf vom Internationalen Roten Kreuz. Dies sind Listen mit Namen von sowjetischen Kriegsgefangenen. Das Rote Kreuz versuchte von der Schweiz aus, die Bedingungen für Kriegsgefangene etwas zu erleichtern. Doch die sowjetischen Behörden weisen an, diese Briefe und Telegramme zu ignorieren und keinesfalls zu beantworten. Man muss wissen, dass russische Kriegsgefangene im eigenen Land als Verräter galten und ihnen samt ihrer Familien Konsequenzen drohten, oft jahrelange Haft in den berüchtigten Straflagern.

Eines Tages flattert eine Liste auf Tatjanas Schreibtisch, der die Namen sowjetischer Soldaten in rumänischer Kriegsgefangenschaft enthielt. Ein Name darauf war der ihres eigenen Ehemannes. Einerseits war die junge Frau froh, dass er noch lebte, andererseits wusste sie um das Schicksal, dass ihnen beiden und ihrer Tochter drohte. Tatjana trifft eine folgenschwere Entscheidung. Sie tauscht den Namen ihres Gatten gegen einen anderen, den Vorgänger auf der Liste, aus. Von dem Tag an wartet Tatjana voller Bangen darauf, dass ihre Fälschung entdeckt und sie festgenommen wird. Aber nichts passiert.

Erst kurz nach dem Krieg wird sie zu zehn Jahren Gulag verurteilt. Ihre kleine Tochter wird ihr entrissen, die selbst in einem Lager verschwindet. Einzig der Gedanke an ihr Kind lässt Tatjana die unmenschlichen Zustände überleben. Als die junge Frau schließlich entlassen wird, sucht sie verzweifelt nach ihrem Mädchen. Sie muss erfahren, dass die Kleine bereits ein paar Monate nach der Inhaftierung verhungert ist. Tatjana erfährt auch, dass ihr Mann nicht mehr am Leben ist …

Rote Kreuze ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman von Sasha Filipenko. Das rote Kreuz symbolisiert Tatjanas Weg. Der junge weißrussische Autor und Journalist verknüpft eine fiktive Geschichte mit Originaldokumenten des Roten Kreuzes und transportiert das Geschehen in die Gegenwart. Die Dokumente, die in Moskau liegen, durfte Filipenko nicht einsehen, dort sind sie unter Verschluss. Er reiste zum Recherchieren nach Genf ins Archiv des Roten Kreuzes. Sasha Filipenko hat daraus einen aufwühlenden, sehr bewegenden und erschütternden Roman geschrieben, der ein Stück tragische Zeitgeschichte dokumentiert und der Vergangenheit und dem Vergessen entreißt.

 

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Dezember 2020: Sascha Filipenko: Rote Kreuze
  • November 2020: Tobias Schlegl: Schockraum
  • Oktober 2020: Marco Balzona: Ich bleibe hier
  • September 2020: Beate Teresa Hanika: Vom Ende eines langen Sommers
  • August 2020: David Foenkinos: Die Frau im Musée d'Orsay
  • Juli 2020: Susan Fletcher: Das Geheimnis von Shadowbrook
  • Juni 2020: Stephan Abarbanell: Das Licht jener Tage
  • April + Mai 2020: Gusel Jachina: Wolgakinder
  • März 2020: Helga Bürster: Luzies Erbe
  • Februar 2020: Lara Prescott: Alles, was wir sind
  • Januar 2020: Vera Buck: Das Buch der Vergessenen Artisten

 

  • Dezember 2019: Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben
  • November 2019: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
  • Oktober 2019: Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse
  • September 2019: Kit de Waal: Die Zeit und was sie heilt
  • August 2019: Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter
  • Juli 2019: Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
  • Juni 2019: Andrea van Bebber: Perlen vor die Säue
  • Mai 2019: Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie
  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

Joomla templates by a4joomla
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.