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Vera Buck: Das Buch der vergessenen Artisten

München: Limes Verlag, 2018

 

Buch der vergessenen artistenIn einer tristen Wohnwagensiedlung auf dem Berliner Karlsberg lebt der Röntgenkünstler Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, und ihrem geistig behinderten Bruder Ernsti in einem heruntergekommenen Wohnwagen. Auch ihre Nachbarn sind allesamt Artisten, unter ihnen: die Wahrsagerin Cassandra, der „Hautmensch“ Hansi Elastik, Ingeborg Froeken und Miss Cärri, die in ihren Jugendjahren als tätowierte Schönheiten auftraten oder das kleinwüchsige Ehepaar Frieda und Toni, die als Kraftwunder mit ihrem zahmen Krokodil tourten.

Die illustre Gesellschaft hat schon bessere Zeiten gesehen, denn wir schreiben das Jahr 1935 und die außergewöhnlichen Künstler passen nicht in das von Hitler etablierte Menschenbild. Immer mehr Bühnen schließen in Berlin und viele der noch ansässigen Artisten stehen unter Auftrittsverboten. Die Kassen und Mägen sind leer, Männer in langen Mänteln tauchen auf um „freiwillige“ Blutproben zu nehmen und manchmal verschwinden auch Anwohner der Wohnwagensiedlung.

Als der Bildhauer Josef Thorak in die Siedlung kommt, um Meta als Modell für eine Skulptur zu gewinnen, die das Berliner Olympiastadion zieren soll, scheinen zumindest für sie finanziell bessere Zeiten anzubrechen. Doch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und die systematische Ermordung jedweder andersartiger Menschen haben gerade erst begonnen.

Im Jahr 1902 ahnten Matis und Meta noch nichts von dieser finsteren Zukunft. Der fünfzehnjährige Matis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern. Sein Schicksal als ein weiterer Bohnenbauer, irgendwo in der deutschen Einöde schien in Stein geschrieben, als er auf einem Jahrmarkt seiner ersten großen Liebe begegnet: dem Röntgenapparat. Der durch Kinderlähmung verkrüppelte und von Vater und Brüdern schikanierte Matis entschloss sich prompt, mit dem „Durchleuchtungsapparat“ und seinem Besitzer durchzubrennen und sein Glück in der weiten Welt zu versuchen.

Sprachlich bewegt sich die Autorin Vera Buck gekonnt zwischen bitterem Sarkasmus, um die Lebenssituation im dritten Reich zu schildern, und liebevoller Poesie, wenn sie die Interaktionen des sensiblem Matis mit seiner Umwelt beschreibt. Dabei beweist sie ein Händchen für die ungewöhnlichen Aspekte der Vergangenheit. Sie thematisiert im „Buch der vergessenen Artisten“ das Schicksal all der Menschen, die im Laufe des 20 Jahrhunderts Jahrmärkte, Zirkusse und Menschenschauen ihr Zuhause nannten. Für viele Menschen, die an körperlichen Fehlbildungen oder Erbkrankheiten litten, war der Beruf des Artisten oft die einzige Möglichkeit zu einem einigermaßen geregelten Einkommen. Vera Buck geht an dieses Thema mit einer unglaublichen Liebe zum Detail heran, verbindet real existierende Orte und Personen, wie Claire Waldoff, mit fiktiven Schicksalen. So gelingt es ihr, all die Menschen in ihrer Geschichte wieder lebendig werden zu lassen, die die Nationalsozialisten ausgelöscht haben.

 

 

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Januar 2020: Vera Buck: Das Buch der Vergessenen Artisten

 

  • Dezember 2019: Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben
  • November 2019: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
  • Oktober 2019: Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse
  • September 2019: Kit de Waal: Die Zeit und was sie heilt
  • August 2019: Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter
  • Juli 2019: Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
  • Juni 2019: Andrea van Bebber: Perlen vor die Säue
  • Mai 2019: Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie
  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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