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Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter

Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019

 

Zopf meiner GroßmutterAlina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, für das Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in zwanzig Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.

„Der Zopf meiner Großmutter“ heißt der neue Roman der Bestseller-Autorin.

Aus der Perspektive eines kleinen Jungen erzählt die Autorin die Geschichte der von Russland nach Deutschland übersiedelten Familie, beginnend mit dem „Verlieben“ des Großvaters in eine junge Klavierlehrerin , dem Versuch, diese Patchworkfamilie zusammenzuhalten bis zum Tod des Großvaters und dem offenen Ende für alle Mitglieder.

Der Enkel der Großmutter, Max, erkennt als erster, dass sich der Großvater in die in der Flüchtlingsunterkunft gegenüber wohnende junge Nina verliebt hat. Noch im Kindergartenalter beschreibt er in akribischer Form die täglichen Erziehungsrituale seiner Großmutter, die durch tyrannische Forderungen und Kontrollgänge über alles Geschehen im Haushalt die Oberhand behalten will. Besonders nervig sind die Hygienemaßnahmen und das gesunde Essen in Form von Breien, die der Junge ertragen muss. Der Kontrollwahn über jedes Tun und Handeln des Enkels steigert sich bis ins Schulalter, in welches der „zu nichts nutzte“ Enkel hineinwächst. Die Großmutter begleitet Max in die Schule, um auf der letzten Bank alles zu verfolgen was passiert, und sich zuletzt böswillig über Lehrer und Mitschüler zu äußern. Aber auch die anderen Mitbewohner sind der eigenwilligen Großmutter, die zudem fast nur Russisch spricht, nicht recht. Nur ihr schweigsamer Mann, der Großvater, zeigt kaum Regungen bei ihren tyrannischen Gefühlsausbrüchen. Die Liebe zu Nina, einer jungen Klavierlehrerin mit einer gleichaltrigen Tochter wie Max, lassen ahnen, wie er es vorzieht, dem häuslichen Horror zu entfliehen. Die ahnungslose Großmutter allerding unterstützt die alleinerziehende und zarte Nina, indem sie ihren Mann bittet, die „schweren“ Aufgaben zu übernehmen.

Max versucht sich auf ihren Wunsch hin sogar im Klavierunterricht. Doch da wohnt Nina mit ihrer Tochter bereits in einer eigenen Wohnung. Das Pendeln von Großvater und Max zwischen beiden Quartieren wird zum normalen Alltag, bis plötzlich Nina sichtbar schwanger ist. Aber auch Max erfährt immer mehr durch diesen Kontakt, fern von den Fittichen seiner Großmutter, dass das Leben nicht nur aus Vorschriften besteht.

Plötzlich besinnt sich die Großmutter ihrer Herkunft und beruflichen Bestimmung: in Russland war sie vor ihrer Ehe eine gefragte Tänzerin. Mit Hilfe der Firma ihres Mannes ist sie in der Lage, eine Tanzschule zu gründen. Der Erfolg bleibt nicht aus, da russische Einwanderer sich der Tradition besinnen, ihren Töchtern Ballettunterricht zu ermöglichen.

Bis plötzlich der kleine Tschingis das Leben aller Beteiligten verändert: Nina und ihr Liebhaber, der Großvater, sind seit der Geburt des Jungen überfordert. Die Großmutter, deren Führungsstärke den ganzen Roman durchzieht, greift ein und nimmt das Baby zu sich. Zeitweise wohnt auch Nina wieder bei ihnen.

Nachdem sie kein Interesse und keine Zeit mehr für die Ballettschule hat, versucht die Großmutter, die Familie zusammenzuhalten und sich auf das Wohlergehen aller zu konzentrieren. Mit dem plötzlichen Tod des Großvaters lässt die Autorin eine sich auflösende Gemeinschaft zurück und deckt zwischen den Zeilen, in Träumen und Andeutungen, das Schicksal der Familie auf, die der Auslöser für die Flucht nach Deutschland war. In einer bewegenden Beschreibung bittet die Großmutter ihren Enkel, ihr den feuerroten Zopf abzuschneiden. Damit versucht sie, in der neuen Gesellschaft anzukommen.

Der Schluss bleibt offen: der Erzähler bricht in ein neues Leben auf und die Großmutter will noch länger leben als alle zusammen.

Der Roman von Alina Bronsky besticht durch einen lakonischen Erzählstil voller komischer Elemente, doch das Lachen bleibt dem Leser buchstäblich im Halse stecken.

 

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • August 2019: Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter
  • Juli 2019: Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
  • Juni 2019: Andrea van Bebber: Perlen vor die Säue
  • Mai 2019: Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie
  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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