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Susan Fletcher: Das Geheimnis von Shadowbrook

Berlin: Insel Verlag, 2019

 

ShadowbrookHaben Sie sich schon einmal gefragt, wie sie ihre Bücher auswählen? Lesen Sie den Klappentext, verlassen sie sich auf Empfehlungen? Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann greife ich zu einem Buch, weil mir der Einband gefällt, erst dann hat das Buch überhaupt eine Chance bei mir. In diesem Fall war das auch goldrichtig. Dem wunderschönen Einband konnte ich nicht widerstehen, dem Inhalt noch viel weniger.

Die Heldin der Geschichte, Clara Waterfield, leidet an der Glasknochenkrankheit Sie wächst behütet, aber eingesperrt in einer Wohnung auf. Jedes Niesen, jeder zu feste Händedruck, jeder Sturz und jeder kleiner Stoß führen zu Knochenbrüchen. Ihre Kindheit ist gezeichnet von Schmerzen, von Krankenhausaufenthalten aber auch von der unerschütterlichen Liebe ihrer Mutter. Sie holt ihr die Welt gewissermaßen ins Wohnzimmer: mit Büchern. Als die Mutter viel zu früh stirbt, beschließt sie, dass es Zeit wird, die „richtige“ Welt kennenzulernen. Vorsichtig erkundet sie London. Besonders hat es ihr der Botanische Garten in Kew angetan. Sie freundet sich mit einem der Gärtner an, der ihr die Besonderheiten und die Bedürfnisse einer jeden Pflanze erklärt. Er ist es auch, der ihr anbietet, im Auftrag der „Kew Gardens“ ein Gewächshaus auf einem Landsitz in Wales anzulegen. Sie zögert nur kurz, ist es doch DIE Möglichkeit ihrem eintönigen, einsamen Leben zu entfliehen.

In Shadowbrook angekommen, muss sie sehr schnell feststellen, dass das Haus und seine Bewohner seltsam sind. Das Haus ist z.T. vom Verfall gezeichnet, die Bediensteten sind nervös, wenn nicht verängstigt, der Hausherr macht sich rar, und wenn er anwesend ist, bekommt ihn niemand zu Gesicht. Die ganze obere Etage mit den Wohnräumen des Hausherrn sind außerdem tabu für alle. Clara hört bald von den Gerüchten, dass es im Haus einen Geist geben soll. Als Kind der Bücher, die sie ist, glaubt sie den Gerüchten zunächst nicht, sie ist es gewohnt, wissenschaftlich und sachlich an Dinge heranzugehen, aber mit der Zeit kommen ihr Zweifel.

Bis hierhin liest sich die Geschichte, wie tausend andere Bücher, mit einem leichten Schauder und  einer Portion Spannung, abgesehen von der wirklich beeindruckenden Sprache der Autorin, die es schafft, auch bei dem langsamen Tempo der Handlung, den Leser zu faszinieren. Dann, mit dem Auftauchen eines Mitglieds des „Vereins zur Erforschung parapsychologischer Phänomene“ ändert sich alles. George soll die Geisterfrage klären, selbst Clara ist nach dem nächtlichen Unfall der Haushälterin überzeugt, dass es Geister gibt. Und ab nun ist keiner der, der er zu sein scheint…

Faszinierend ist neben der atmosphärischen Sprache des Romans die völlig überraschende Wende im Handlungsgeschehen. Und Clara, die sich selbst so unperfekt und beschädigt sieht, mit dem von zig Knochenbrüchen entstelltem Körper und ihrem wiegendem Gang, die sich aber aus Mangel an Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen völlig frei von Konventionen bewegt, sich selbst verwirklicht, und damit vielen Frauen ihrer Zeit weit voraus ist.

 

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Juli 2020: Susan Fletcher: Das Geheimnis von Shadowbrook
  • Juni 2020: Stephan Abarbanell: Das Licht jener Tage
  • April + Mai 2020: Gusel Jachina: Wolgakinder
  • März 2020: Helga Bürster: Luzies Erbe
  • Februar 2020: Lara Prescott: Alles, was wir sind
  • Januar 2020: Vera Buck: Das Buch der Vergessenen Artisten

 

  • Dezember 2019: Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben
  • November 2019: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
  • Oktober 2019: Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse
  • September 2019: Kit de Waal: Die Zeit und was sie heilt
  • August 2019: Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter
  • Juli 2019: Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
  • Juni 2019: Andrea van Bebber: Perlen vor die Säue
  • Mai 2019: Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie
  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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