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Tobias Schlegl: Schockraum

München: Piper Verlag, 2020

SchockraumTobias Schlegl moderierte viele Jahre im Fernsehen, zuerst bei Viva und MTV, danach in Sendungen wie extra drei und dem ZDF Kulturmagazin Aspekte. Mit 40 Jahren hatte er den Wunsch, etwas gesellschaftlich Relevantes zu tun, kündigte seinen Moderatorenjob und absolvierte eine Ausbildung zum Notfallsanitäter. Sein erster Roman spiegelt diese Erfahrungen wider. Schlegl erlebte viele Einsätze, darunter sehr einschneidende und intensive. Nach einiger Zeit waren diese Erfahrungen für den Autor so belastend, dass er selbst Hilfe benötigte. Ein Kollege erkannte die Situation und alarmierte das Kriseninterventionsteam. Das konnte professionelle Hilfe leisten. Unter anderem bekam Schlegl den Tipp, über das Erlebte zu schreiben. Da er nicht über sich selbst schreiben wollte, entstand der Roman mit der Hauptfigur Kim. Mit Kim erfährt man, wie anstrengend und herausfordernd die Ausbildung und der Beruf des Notfallsanitäters sind.

Man erlebt aber auch den Missbrauch des Notdienstes für Bagatellfälle und kann Kims Angst nachvollziehen, falsche Entscheidungen zu treffen. Kim hat seine Vergangenheit als erfolgreicher Werbetexter hinter sich gelassen und arbeitet aus vollster Überzeugung im Rettungsdienst Doch irgendetwas stimmt nicht in seinem Leben. Die harte Arbeit und die drastischen Erlebnisse fordern Ihren Tribut. Er fühlt sich ängstlich und betäubt, ist unkonzentriert und macht Fehler. Im Schlaf kommen Albträume und seine Beziehung geht in die Brüche. Sein Freund Benny erkennt seine Notlage, reißt ihn aus seinem Alltag und fährt mit ihm an die Nordsee. Unterwegs begegnen sie Luzi und durch sie erkennt Kim, dass er sich seinen schlimmen Erinnerungen und Ängsten stellen muss, um sie zu verarbeiten. Am Ende bleibt offen, ob Kim in seinem Beruf weiterarbeiten kann. Von Tobias Schlegl weiß man, dass er zwar im Zweitberuf wieder als Moderator arbeitet, aber weiterhin Notfallsanitäter ist. Dieser Beruf gilt bei vielen immer noch als Männerdomäne, bei dem man keine Schwäche zeigen darf. Der Autor hofft, mit diesem Roman eine Diskussion anzustoßen, damit sich die Rahmenbedingungen im Rettungsdienst verbessern.

 

 

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • November 2020: Tobias Schlegl: Schockraum
  • Oktober 2020: Marco Balzona: Ich bleibe hier
  • September 2020: Beate Teresa Hanika: Vom Ende eines langen Sommers
  • August 2020: David Foenkinos: Die Frau im Musée d'Orsay
  • Juli 2020: Susan Fletcher: Das Geheimnis von Shadowbrook
  • Juni 2020: Stephan Abarbanell: Das Licht jener Tage
  • April + Mai 2020: Gusel Jachina: Wolgakinder
  • März 2020: Helga Bürster: Luzies Erbe
  • Februar 2020: Lara Prescott: Alles, was wir sind
  • Januar 2020: Vera Buck: Das Buch der Vergessenen Artisten

 

  • Dezember 2019: Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben
  • November 2019: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
  • Oktober 2019: Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse
  • September 2019: Kit de Waal: Die Zeit und was sie heilt
  • August 2019: Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter
  • Juli 2019: Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
  • Juni 2019: Andrea van Bebber: Perlen vor die Säue
  • Mai 2019: Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie
  • April 2019: Tom Saller: Wenn Martha tanzt
  • März 2019: Majgull Axelsson: Dein Leben und meins
  • Februar 2019: Andrea Camilleri: Die Inschrift
  • Januar 2019: Karine Lambert: Eines Tages in der Provence

 

  • Dezember 2018: Alex Capus: Königskinder
  • November 2018: Tommi Kinnunen: Wege, die sich kreuzen
  • Oktober 2018: Louise O'Neill: Du wolltest es doch
  • September 2018 Lana Lux: Kukolka
  • August 2018: Laetitia Colombani: Der Zopf
  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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