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Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

Stuttgart: Klett-Cotta Verlag, 2017

Drei Tage und ein Leben

Es sind drei Tage im Leben des zwölfjährigen Antoine, die seine Kindheit je beenden werden. Antoine lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem kleinen nordfranzösischen Dorf. Da seine Mutter ihm den Umgang mit anderen Kindern, die den ganzen Tag nur im Zimmer sitzen und mit einer Play-Station spielen, verbietet, stromert Antoine am liebsten durch den Wald. Nur der Hund der Nachbarsfamilie begleitet ihn bei seinen einsamen Streifzügen. Da seine strenge Mutter Haustiere immer ablehnte, hängt Antoine umso mehr an diesem Hund. Er ist sein bester Gefährte. Eines Tages wird der Hund von einem Auto angefahren. Der Fahrer entflieht und der Nachbar, statt dem Hund zu helfen und ihn sofort zu einem Tierarzt zu bringen, nimmt stattdessen ein Gewehr, erschießt ihn und steckt den Kadaver in einen Plastesack für Bauschutt: Sache erledigt. Antoine, der das alles mit ansehen muss, rennt in seinem ohnmächtigen Schmerz in den Wald. Ausgerechnet Rémi, der sechsjährige Sohn seines Nachbarn läuft ihm dabei über den Weg. Und da wendet sich all sein Kummer gegen das Kind. „Warum hat dein Vater das gemacht?“ brüllt Antoine. Und da Rémi ihn nur verständnislos anstarrt, nimmt er blind vor Zorn einen Stock und schlägt auf ihn ein. Als er wieder klar denken kann, erschrickt er vor der eigenen Tat, doch Rémi ist tot. Bei dem Versuch, die Leiche des Kindes zu verstecken, verliert Antoine seine Armbanduhr. Es ist ein auffälliges Teil und jeder, der es findet, würde es sofort mit ihm in Verbindung bringen.

Sofort nachdem das Verschwinden des Sechsjährigen bemerkt wird, organisieren die Nachbarn und Freunde im Dorf einen Suchtrupp, doch zunächst ohne Erfolg. Nacheinander finden sich die Dorfbewohner bei den unglücklichen Eltern ein, um ihnen Trost zu spenden. Antoine hat niemanden, der mit ihm spricht. Er muss allein mit seinen Ängsten und Schuldgefühlen kämpfen.

Nach drei Tagen, in denen Antoine bangt entdeckt zu werden, muss die Suche eingestellt werden, da ein Jahrhundertsturm die Menschen zurück in ihre Häuser zwingt. Doch damit wird die Qual des Zwölfjährigen nicht beendet, sondern nur aufgeschoben…

Dem Autor gelingt es in seinem Roman Antoines inneren Kampf sehr einfühlsam zu schildern. Er stellt die Frage nach der größeren Last: Die Wahrheit zu sagen oder in ständiger Angst zu leben, dass die Tat entdeckt wird. Obwohl Antoine den Tod des kleinen Rémi verursacht hat, sieht man in ihm eher das Opfer einer großen Tragödie als einen kaltblütigen Mörder.

Pierre Lemaitre, geboren 1951 in Paris, ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane und Kriminalromane. Sein letztes Buch,  „Au revoir là-haut“, (Wir sehen uns dort oben), wurde 2013 mit dem bedeutendsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet.

Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Juli 2018: Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben
  • Juni 2018: Anja Baumheier: Kranichland
  • Mai 2018: Vanessa LaFaye: Summertime
  • April 2018: Vigdis Hjörth: Bergljots Familie
  • März 2018: Jachina, Gusel: Suleika öffnet die Augen
  • Frebruar 2018: Ahrens, Renate: Alles, was folgte
  • Januar 2018: Isabelle Autissier: Herz auf Eis

 

  • Dezember 2017: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern
  • November 2017: Benjamin Lebert: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
  • Oktober 2017: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht
  • September 2017: Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh
  • August 2017: Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten
  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

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